«Prozess Neuland» so nennt sich die Entwicklung im Bistum, welche zum Ziel hat, dass Kirche auch in Zukunft nahe bei den Menschen ist. Alle auf Augenhöhe, eine lebensbejahende, inklusive Kirche, wo jede Person mit ihren Fähigkeiten und Talenten gefragt ist, welche autobiografische Entwicklung wertschätzt und fördert und die Gewissheit hat, dass die Zusage Gottes allen Menschen gilt. Das ist Neuland!
Jede Woche schreibt eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger zum kommenden Sonntagsevangelium eine biblische Inspiration, in der der Grundgedanke vom Prozess Neuland aufgenommen ist.
Aus dem Evangelium vom 23. Juni 2019, 12. Sonntag im Jahreskreis, Lk9,18-24
Und es geschah: Jesus betete für sich allein und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Christus Gottes. Doch er befahl ihnen und wies sie an, es niemandem zu sagen. Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden.
Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein
Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.
Gedanken zum Evangelium
«Wenn einer hinter mir hergehen will verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.» Aber es heisst auch im Galaterbrief: «Einer trage des anderen Last.» Was gilt nun? Worin liegt mehr Selbstverleugnung? Indem man sein Kreuz selber trägt oder indem man es den anderen abnimmt? Der Widerspruch besteht nur scheinbar. Nur wer es gewohnt ist, die Last, die er zu tragen hat, bei sich zu behalten, kann auch Lasten von anderen übernehmen. Und auch: Wer es nicht nötig hat, die anderen mit seinem Kreuz zu belasten, kann Anteil nehmen an dem, was andere belastet. Aber sind wir nicht angehalten, unsere Probleme auszusprechen, frühzeitig Hilfe zu holen? Ist die Forderung, sein eigenes Kreuz zu tragen nicht ungesund und führt zur problematischen christlichen Selbstopferung? Das Risiko ist nicht zu leugnen. Aber ob eine religiöse Praxis befreiend oder selbstzerstörerisch ist, zeigt sich gerade daran, ob die Anstrengungen, die man sich selber auferlegt, frei machen für andere oder nicht. Nur wer sich selbst so fremd wie möglich bleibt, kann im anderen auch sich selber erkennen.
