«Prozess Neuland» so nennt sich die Entwicklung im Bistum, welche zum Ziel hat, dass Kirche auch in Zukunft nahe bei den Menschen ist. Alle auf Augenhöhe, eine lebensbejahende, inklusive Kirche, wo jede Person mit ihren Fähigkeiten und Talenten gefragt ist, welche autobiografische Entwicklung wertschätzt und fördert und die Gewissheit hat, dass die Zusage Gottes allen Menschen gilt. Das ist Neuland!
Jede Woche schreibt eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger zum kommenden Sonntagsevangelium eine biblische Inspiration, in der der Grundgedanke vom Prozess Neuland aufgenommen ist.
Aus dem Evangelium vom 07. April 2019, 5. Fastensonntag, Joh 8,1–11
Jesus aber ging zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau
wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie
hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!
Der erste Stein
Ich habe eine alte Fabrik in Dietfurt vor Augen. Über die Jahre wurden dort alle Scheiben einzeln eingeschlagen. Einer hat mal angefangen.
Ich sehe eine zerkratzte und vollgekritzelte WC Türe in der S5. Eine hat mal angefangen.
Ich sehe Einen gekrümmt am Boden liegen, drum herum fünf Halbstarke, die auf ihn einschlagen. Einer hat angefangen.
Ich sehe einen Lehrer, der aus seinem Dorf wegzieht. Er wurde zu Unrecht beschuldigt Mädchen zu betatschen. Eine hat mal angefangen.
Immer beginnt jemand und lässt seiner Aggression, dem Ärger, der Wut, dem Schmerz, dem Unrecht, der Sinnlosigkeit freien Lauf und andere springen darauf an. Darum sagt Jesus wohl: „Wer ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ Bevor etwas geschieht werden die Männer von Jesus an ihr eigenes Tun erinnert, sie müssen selber gerade stehen und lassen die Steine fallen. Seine Anweisung beschämt und bringt die Waage wieder ins Gleichgewicht.
Fazit für uns?! Einer/eine fängt an – andere werden folgen. Werden wir also Erste im Grüssen, Danken, Einladen, Aufräumen, langsamer fahren, weniger fliegen, klarer Position beziehen - andere werden folgen.
