«Prozess Neuland» so nennt sich die Entwicklung im Bistum, welche zum Ziel hat, dass Kirche auch in Zukunft nahe bei den Menschen ist. Alle auf Augenhöhe, eine lebensbejahende, inklusive Kirche, wo jede Person mit ihren Fähigkeiten und Talenten gefragt ist, welche autobiografische Entwicklung wertschätzt und fördert und die Gewissheit hat, dass die Zusage Gottes allen Menschen gilt. Das ist Neuland!
Jede Woche schreibt eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger zum kommenden Sonntagsevangelium eine biblische Inspiration, in der der Grundgedanke vom Prozess Neuland aufgenommen ist.
Aus dem Evangelium vom 17. Februar 2019, 6. Sonntag im Jahreskreis, Lk 6,17-18a.20-26
Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt.
Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
Gedanken zum Evangelium
Etwas zugespitzt sagt Jesus in der Feldrede Folgendes: Selig die Armen, sie werden Gerechtigkeit erfahren, aber wehe den Reichen. Selig die Hungernden, sie werden gesättigt werden, aber wehe den Gesättigten. Selig die Verspotteten, denn sie werden geliebt werden, aber wehe den Beliebten.
Diese schroffe Gegenüberstellung lässt drei Schlüsse zu. Erstens, selig sind die Armen nur, wenn sie arm bleiben und das Reich ihnen zwar verheissen ist, aber nicht hier und jetzt real werden kann. Sonst wären sie ja reich und gehörten selbst wieder zu den Verfluchten. Aber was wäre das für eine Welt, wenn es böse ist, das Versprochene zu bekommen? Zweitens, selig sind nur bestimmte Arme, nicht die Armen oder die Armut im Allgemeinen. Gescholten werden nur bestimmte Reiche, nicht die Reichen oder der Reichtum im Allgemeinen. Aber Jesus geht in der Feldrede aufs Ganze, zweifellos meint er alle. So bleibt nur noch drittens die Deutung, dass Gottes Gerechtigkeit wie sie Jesus in der Feldrede verkündigt, zwar weder Armut noch Reichtum, Hunger noch Sattheit, Verspottung noch Schmeichelei als dauerhafte Zustände akzeptiert, aber dass sie dennoch allen Genugtuung, Sättigung und Würdigung verheisst.
