Stefan, du bist Archivar im Bistum St.Gallen – mit was beschäftigst du dich in deiner Arbeit?
Das Archiv ist das Gedächtnis einer Institution. Wenn eine Institution kein Gedächtnis hat, ist sie «dement». Mit einem Archiv besitzt eine Institution immer die Informationen, was sie in der Vergangenheit gemacht hat und wieso. Erst dann versteht sie, was momentan und in Zukunft passiert. Meine Aufgabe ist es, dieses Archiv zu betreuen und bei Bedarf Akten und Dokumente herauszusuchen. Die Abwechslung in meinem Beruf kommt zum Beispiel mit der Datenbank, die ich selber programmiere und so gestalten kann, wie ich es möchte.
Was ist deine Lieblingsbeschäftigung ausserhalb deiner Arbeit?
Ich sitze oft mittags in der Stadt und skizziere oder zeichne etwas ab. Ich führe mit den Zeichnungen ein Tagebuch. So sehe ich später nochmals, wo ich beispielsweise in den Ferien war. Beim Zeichnen sprechen mich immer wieder Menschen an – das sind schöne Begegnungen.
Was nimmst du auf eine einsame Insel mit?
Ein anständiges Schweizer Messer ist immer gut. Ansonsten etwas zu lesen, zu schreiben und zu zeichnen.
Welche Superkraft würdest du gerne besitzen?
Ich wäre gerne «schlauer». Ich habe viel mit Menschen zu tun, die forschen. Da sehe ich manchmal meine Grenzen. Seit ein paar Jahren lerne ich ein bisschen Spanisch und merke wie schwierig es ist, Sprachen zu lernen. Dann finde ich es spannend, wie gewisse Leute zum Beispiel Japanisch sprechen können. Ich fände es toll, nach Japan zu reisen und japanisch sprechen zu können.
Welche Geschichte aus der Bibel beeindruckt dich?
Die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin. Dort gefällt mir der Spruch von Jesus: «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.» Für mich ist das eine spannende Geschichte, weil sie dazu anregt, zu versuchen zu verstehen, dass die anderen Menschen anders sind, als ich es bin.
Für die Zukunft der Kirche wünsche ich mir …
... dass die Kirche offener unterwegs ist. Ich finde das Modell der Kirche in St. Gallen fortschrittlich, denn es hat eine Gewaltenteilung. Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger entscheiden etwa an der Kirchbürgerversammlung über das Budget und damit auch über die Immobilien. Dieses Modell von St. Gallen sollte sich weltweit verbreiten. Ausserdem finde ich, dass die Kirche viele Traditionen mitschleppt, die nicht begründet sind. Zum Beispiel, dass man keine Frauen zu Priesterinnen weiht. Dafür gibt es keinen theologischen Grund.
Die Texte und Fotos für diese Porträts hat Fabio Brändle gemacht. Fabio ist während seines vierwöchigen Praktikums in den Ordinariatsalltag eingetaucht, hat die Mitarbeitenden kennengelernt und interviewt. Wir danken Fabio für seinen Einsatz.
