Überall angeregte Gespräche, ausgelassenes Lachen und eine fröhliche Stimmung: Der Festtag des geweihten Lebens ist ein besonderer Anlass für das Bistum St. Gallen. Auf Einladung des Bischofs und der Bistumsleitung reisen jedes Jahr Schwestern und Brüder aus den verschiedensten Ordensgemeinschaften des Bistums St. Gallen in den Stiftsbezirk und verbringen den Tag gemeinsam mit Impulsen, einem Mittagessen und einem Gottesdienst. Der Anlass wird geschätzt. In diesem Jahr kamen rund 70 Schwestern und Brüder der Einladung nach. Stellvertretend für wohl viele sagt Pater Jeanmarc von der Familie Mariens in Tübach: «Der Tag ist eine Bereicherung. Die Begegnungen mit den anderen Ordensschwestern und -brüdern sind erbauend und fördern die Freude am Glauben und am Dienst der Kirche.» Eine Ordensschwester pflichtet im Vorbeigehen bei: «Wir kommen immer gerne für diesen Anlass nach St. Gallen. Wir schätzen den Austausch sehr.»
Referate über Thomas von Aquin
Die Ordensleute hatten einen vollen Zeitplan. Unter den Titeln «Gottesliebe als Höchstfall des Menschseins. Die Tugend der ‹caritas› bei Thomas von Aquin» und «Das menschliche Wesen als Wasserzeichen der Sakramente. Anthropologie als Tiefenstruktur der Sakramentenlehre bei Thomas von Aquin» referierte am Vormittag und Nachmittag Pater Dr. Markus Schulze SAC über das Leben und Wirken von Thomas von Aquin. Als Experte in diesem Bereich zeigte Pater Dr. Markus Schulze auf, wieso Freundschaft für Thomas von Aquin immer auch eine Art von Liebe darstellt und wie sich dies auf die Gottesliebe auswirkt. «Freundschaft bedingt ein inneres Wollen und eine gegenseitige Bejahung. Damit Freundschaft entsteht, braucht es immer einen Austausch.» Freundschaft sei ein Angebot, so Pater Dr. Markus Schulze. «Wohl dem, der das Angebot zu schätzen weiss.» Gemäss Thomas von Aquin liebt der Mensch von Natur her Gott mehr als sich selbst.
Pater Dr. Markus Schulze kam weiter auf die Sakramentenlehre von Thomas von Aquin zu sprechen. Dieser vertritt die Meinung, dass Sakramente nicht absolut, sondern relativ notwendig für unser Heil seien. «Die Firmung ist unser Zeichen der Liebe zu Gott und Gottes Antwort auf die Bedürfnisse der Menschen. Es ist ein Angebot und keine Zwangsmassnahme», so Pater Dr. Markus Schulze. Wesentlich sei, dass der Mensch ein inneres Verlangen verspüre.
Abschlussgottesdienst in der Kathedrale
Beim gemeinsamen Mittagessen im Pfalzkeller, bei dem traditionsgemäss Schüler der Buebeflade beim Servieren helfen, vertieften die Ordensschwestern und -brüder die Gespräche. Den feierlichen Abschluss des Tages bildete am Nachmittag der öffentliche Gottesdienst in der Kathedrale mit Bischof Beat Grögli. Auch er ging auf die Gottesliebe ein und sagte in seiner Predigt unter anderem. «Das eigene Leben Gott zu weihen, das eigene Leben ganz Gott anheim zu stellen, führt uns nicht vom Menschen weg, sondern im Gegenteil: Es macht uns bereit und offen für den Dienst am Menschen.»
Festtag des geweihten Lebens
Weltweit begeht die Kirche den 2. Februar, das Fest der Darstellung des Herrn, als «Tag des geweihten Lebens». Der 1997 von Papst Johannes Paul II. eingeführte Tag soll die Wertschätzung von Orden und anderen Gemeinschaften geistlichen Lebens fördern.








