Das Bistum St.Gallen setzt seit über 20 Jahren einen Schwerpunk auf das Thema Schutz und Prävention. Bereits vor über 10 Jahren wurde ein Schutzkonzept ausgearbeitet. Ein Augenmerk liegt dabei auch auf den freiwilligen Mitarbeitenden der Kirche. Kürzlich nahmen rund 20 Freiwillige an der Veranstaltung «Zur Freiheit bist du berufen» der Kommission für Schutz und Prävention des Bistums St.Gallen teil. Die Weiterbildung für Freiwillige leiteten Dolores Waser Balmer, Präventionsbeauftragte im Bistum St.Gallen, Hildegard Aepli, Abteilung Spiritualität und Bildung und Roman Rieger, Pastoralamtsleiter.
Sensibilisieren und aufklären
Macht hat verschiedene Ebenen, wie die Kursleiterinnen unter anderem mit Beispielen veranschaulichten. So könne man Macht einsetzen, um Gutes zu bewirken oder aber sie missbrauchen, um zum Beispiel jemanden negativ zu beeinflussen. Ziel der Weiterbildung war es, die freiwilligen Mitarbeitenden für das Thema Missbrauch spirituelle Macht zu sensibilisieren.
Weiter gab es einen Input zum Thema geistlicher Missbrauch und Macht. Doch was genau heisst geistlicher Missbrauch? Wie die Verantwortlichen aufzeigten, gibt es viele verschiedene Definitionen dafür. Von Missbrauch geistlicher Macht spricht man dann, wenn im Namen Gottes oder der Kirche etwas eingefordert wird, das zum Nutzen eines anderen ist. Oft geschieht das sehr subtil unter dem Deckmantel, dass es wichtig und fördernd für die betroffene Person sei, so dass diese es lange nicht merkt und der eigenen Wahrnehmung oft nicht mehr traut.
Die drei Stufen des geistlichen Missbrauchs
Geistlicher Missbrauch habe verschiedene Stufen: Stufe eins ist die spirituelle Vernachlässigung. Das sei, wenn spirituelle Bedürfnisse nicht ernst genommen werden und Menschen von der Kirche oder deren Mitarbeitenden nicht bekommen, was sie wollen, so Dolores Waser Balmer. Stufe zwei ist die Spirituelle Manipulation. Hier wird das Wahrnehmen einer Person gezielt beeinflusst. Durch Einreden oder Druck wird eine angebliche Wahrheit vermittelt, an die unbedingt geglaubt werden soll, erklärte die Präventionsbeauftragte. Dies könne bis zu einer Art Gehirnwäsche reichen. Die dritte und stärkste Stufe des geistlichen Missbrauchs ist die spirituelle Gewalt. Sie stellt massive Eingriffe in die Würde und Freiheit eines Menschen dar.
Alltagssituationen einordnen
Im weiteren Verlauf des Anlasses rückte eine synodale Gesprächsrunde in den Mittelpunkt. Dabei erhielten die Teilnehmenden an ihren Tischen die Gelegenheit, reihum je eine Minute lang ihre Eindrücke und Meinungen zum Thema einzubringen – die anderen hörten zu. Es gab drei Runden, bei denen man sich einbringen konnte.
Als weiterführenden Punkt haben die Teilnehmenden mit Hilfe von Karten zum Thema Missbrauch der geistlichen Macht Situationen diskutiert. Der Reihe nach zog jede Person eine Karte, auf der eine Alltagssituation geschrieben stand, die sie einordnen sollten. Es entstand eine lebendige Diskussion, bei der oft auch eigenen Erfahrungen einflossen.
Dies ist ein Beitrag von Fabio Brändle. Er absolviert sein einmonatiges Praktikum in der Kommunikation des Bistums St.Gallen.
