Hildegard, du bist im Bistum St.Gallen im Pastoralamt in der Abteilung Spiritualität und Bildung tätig – mit was beschäftigst du dich in deiner Arbeit?
In bin 60 Prozent im Pastoralamt. Daneben bin ich 20 Prozent in der Dompfarrei angestellt. Die Kathedrale ist die Schnittmenge dieser beiden Bereiche. In meiner Arbeit gibt es mindestens 20 verschiedene Themen. Ich bin etwa zuständig, die Mitarbeitenden im Bistum St.Gallen zu informieren, wenn sie eine obligatorische Weiterbildung machen müssen. Im Bereich Spiritualität gebe ich jedes Jahr ein Heft zum Thema «Exerzitien im Alltag» heraus. Das dürfen meine Kolleginnen und Kollegen in ihren Seelsorgeeinheiten nutzen und einen dreiwöchigen Kurs anbieten, bei dem Teilnehmende mit dem Heft eine Gebetsform für sich einüben und sich dann mit den anderen einmal pro Woche zum Austausch treffen.
Was ist deine Lieblingsbeschäftigung ausserhalb deiner Arbeit?
Ich liege gerne auf meinem Sofa und warte, bis ich weiss, was ich als nächstes tun möchte. Im Sommer gehe ich in den Drei Weihern schwimmen und wenn es kalt wird, wandere ich gerne. Ausserdem liebe ich es, zu kochen.
Was nimmst du auf eine einsame Insel mit?
Ein Feuerzeug, einen Kochkessel, eine Hängematte, eine Stirnlampe, eine Blache, eine Lismete und ein Buch. Badehosen dürfen nicht fehlen.
Welche Superkraft würdest du gerne besitzen?
Ich bin zufrieden mit dem, was ich kann. Eine Superkraft wäre nichts für mich. Mein ganzes Leben habe ich versucht, mit dem zu leben, was ich habe und meine Grenzen ernst zu nehmen.
Welche Geschichte aus der Bibel beeindruckt dich?
In der Kathedrale ist über jedem Beichtstuhl eine biblische Szene dargestellt. Eine dieser Szenen erkläre ich jeweils den Frauengruppen bei den Führungen: Die Geschichte der Begegnung der syrophönizischen Frau mit Jesus. In der Geschichte gehen die Jünger mit Jesus ins Ausland. Dann gibt es eine Begegnung mit dieser Frau. Die Jünger erleben die Frau als sehr unangenehm. Sie schreit ihnen hinterher. Jesus ist sehr unfreundlich zu dieser Frau und sagt, dass er für das jüdische Volk da sei, nicht für Heiden wie sie. Dann geht die Frau auf die Knie und sagt, dass ihr Kind krank sei. Sie sagt, es sei in Ordnung, dass er nicht für sie da sei, aber er wisse doch, dass von den Tischen der Herren manchmal Brotkrümel herunterfallen und sie mit einem Krümel zufrieden wäre. Sie spricht bildhaft mit Jesus. Auf einmal gehen Jesus die Augen auf und er sagt, sie solle nach Hause gehen, denn ihr Kind sei wieder gesund. Diese Geschichte finde ich spannend, weil Jesus nicht der Held ist, sondern zuerst einen Fehler macht. Man sieht, dass sogar er lernen kann.
Für die Zukunft der Kirche wünsche ich mir…
... viele Menschen, die die Kirche nicht ad acta legen, sondern eine Neugierde entwickeln auf die Schätze, die es in der Kirche gibt. Sie sollen sehen, was für eine gute Arbeit viele Menschen in der Kirche leisten und selbst entdecken, dass es ihren eigenen Beitrag braucht, damit die Kirche in die Zukunft gehen, modern und lebendig sein kann.
Die Texte und Fotos für diese Porträts hat Fabio Brändle gemacht. Fabio ist während seines vierwöchigen Praktikums in der Kommunikationsabteilung des Bistums in den Ordinariatsalltag eingetaucht, hat die Mitarbeitenden kennengelernt und interviewt.
