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News

05.03.2026

Den Winter zulassen.

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Wie ein Magnet zog das Thema «Zulassen» die Menschen ans diesjährige Diözesanforum der Daju in der Pfarrei Maria Neudorf. Transformationscoach Katja Breitenmoser gab Einblick, wie sie den Begriff versteht – und wann uns dieses ‘Zulassen’ guttut.

«Wir leben in einer Welt, in der wir Wachstum und ständiges ‚In-Bewegung-Sein‘ als gut und erfolgreich bewerten. Unsere westliche Philosophie beruht darauf, die Welt steuern und gestalten zu können. Dabei vergessen wir oft, dass wir vielen Eigendynamiken ausgesetzt sind, die wir bestenfalls ein wenig beeinflussen können», sagt Katja Breitenmoser, Prozessbegleiterin für Transformation. Angesichts von Klimawandel, der Bedrohung unserer Demokratie durch Autokratien und dem Näherrücken von Kriegen werde deutlich, wie komplex unsere Welt ist – und wie begrenzt unser tatsächlicher Einfluss.

 

Hier kommt das «Zulassen» ins Spiel. Es hilft, Ohnmachtsgefühle und Unsicherheiten wahrzunehmen und anzuerkennen, ohne sofort in Aktionismus zu verfallen – und ohne dabei gleichgültig oder fatalistisch zu werden.

 

Vier Jahreszeiten

Um diesen Prozess zu veranschaulichen, nutzt Breitenmoser die Metapher der Jahreszeiten: Im Frühling und Sommer wächst und blüht die Natur. Im Herbst verliert sie langsam ihre Kraft, zieht sich zurück, lässt los, damit im Frühling Neues spriessen kann. Dazwischen liegt der Winter – eine Zeit, in der scheinbar nichts geschieht. Die Natur gönnt sich eine Auszeit, hält inne und bereitet sich im Stillen auf das Wiederaufblühen vor.

 

Zulassen und Innehalten

Die rund 100 Teilnehmenden stellten sich die Frage: Wo ist in meinem Leben gerade Winter oder würde mir eine ‘Winterzeit guttun? Was ist noch nicht spruchreif? Wo bin ich blockiert? Was darf gedanklich reifen, wo lasse ich zu, was lasse ich los?

«Die Kunst liegt meines Erachtens darin, Angst und Ohnmacht wahrzunehmen und dennoch in Kontakt zu bleiben mit der Welt und mit mir selbst. Auszuhalten, dass ich gerade nicht weiterweiss. Das ist nicht angenehm und fällt uns daher schwer. Innehalten schafft den Raum zwischen Reiz und Reaktion. Genau dort entsteht Freiheit – und Raum, damit Neues entstehen kann», so Breitenmoser.

 

Die „Theorie U“ – eine Bewegung nach innen

Wie kommt das Neue in die Welt? Die Theorie U von Transformations- und Führungscoach Otto Scharmer geht davon aus, dass echte Veränderung nur möglich ist, wenn alte Denk- und Lösungsmuster losgelassen werden.

Der Weg durchs «U» beginnt mit dem bewussten Wahrnehmen: Statt vorschnell zu urteilen – jemanden zu sehen und bereits zu wissen oder zu glauben, was er sagen wird. Hier kommen wir zum ‘Herz’ der ‘Theorie U’ dem «Presencing». Es geht darum, anwesend zu sein, präsent mit allen Sinnen.

In diesem Sinn bedeutet Zulassen nicht, passiv zu warten, sondern sich zuwenden: einander zuhören – auch dann, wenn das Gegenüber andere Werte vertritt oder einem anderen Kompass folgt. Es heisst, sich von eigenen Vorstellungen freizumachen, sich maximal zu öffnen, hinter die Worte zu hören und der eigenen Körperintelligenz ebenso Raum zu geben wie der Ratio. Aus diesem Verdichten kann Neues entstehen, das sich entwickelt und gemeinsam gestaltet wird. So kommt soziale Innovation in die Welt.

 

Vier Learnings aus Katja Breitenmosers Input:

  • Die Welt ist komplex – wir Menschen wollen sie dennoch steuern.

  • Unsicherheiten führen oft zu Aktionismus oder Gleichgültigkeit.

  • Die Natur zeigt uns: Regeneration im Winter ist notwendig.

  • Echte Veränderung wird erst möglich, wenn alte Denk- und Lösungsmuster losgelassen werden.

Die Haltung des Zulassens in der Jugendpastoral

Das DAJU-Team beleuchtete in Ergänzung an das Gehörte von Katja Breitenmoser, was die Haltung des Zulassens in der Jugendpastoral bedeuten kann – theologisch, persönlich, für junge Menschen und Teams.

 

Stefania Fenner greift theologisch die Frage auf, was Zulassen mit Hoffnung zu tun hat. In der Fastenzeit, auf dem Weg zu Ostern, liegt zwischen Karfreitag und Ostersonntag ein oft übersehener Tag: der Karsamstag. Ein Tag des Innehaltens. Ein Tag des Aushaltens. Ein Tag des «Presencing». Wir sitzen im Karsamstag mit dem Gefühl der Hoffnung – und halten ihn aus im Vertrauen, dass es gut kommt.

 

Eine Teilnehmerin formulierte es so: «Nicht nur machen ‚für‘, sondern wahrnehmen, was entstehen will.» «Wer wirklich zuhört, erkennt, was junge Menschen brauchen und merkt, wie sich dadurch das eigene Aufgabenverständnis verändert», sagt Linus Brändle, Leiter der Daju.

 

«Hören, mitdenken, neue Blickwinkel zulassen und anerkennen, dass Kirche sich in einem Transformationsprozess befindet – all das verlangt Mut. Ebenso wie das Vertrauen in die Fachlichkeit anderer. Zusammenfassend geht es darum, sich zuzuwenden und das Herz zu öffnen», resümiert Verena Kaiser.

 

Unser Glaube – unsere Mitte

Zum Abschluss blickte Bischof Beat auf das Bild des Ostschweizer Künstlers Josef Ammann, das die Jahreszeiten darstellt. «Was mir daran gefällt, ist die goldene Mitte. Was hilft uns, in diese Haltung zu kommen – einen Unterbruch zu machen oder das Wertvolle zu sehen, das uns umgibt? Diese Mitte machen nicht wir. Das ist unser Glaube.» Gott offenbart sich Mose als «Ich bin da». Darin liegt Halt – auch im Suchen und Fragen. Mit diesem Zuspruch wünschte er Mut für die weitere Arbeit und dass der wertschätzende Austausch an den jeweiligen Wirkungsorten weitergetragen wird.

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