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16.05.2025

«Kirche muss Gesprächspartnerin sein.»

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Kürzlich referierte der Autor und Theologe Tobias Sauer bei der Fachtagung Junge Erwachsene der DAJU über (un)notwendige Ansätze für die Kirche. Seine Aussagen sind unmissverständlich: Die Kirche muss mit den Menschen in den Dialog treten. Dabei zähle nicht die Verpackung der Botschaft, sondern einzig der Inhalt.

«Kirche muss Gesprächspartnerin sein für Menschen und ihre Glaubenserfahrungen. Und zwar sowohl innerkirchlich als auch in der Gesellschaft. Es ist ihre Aufgabe, Spiritualität zugänglich zu machen und dazu muss sie mit den Menschen von heute in einer digitalisierten Welt in Dialog treten.» So formuliert Tobias Sauer sein Grundanliegen. Kürzlich führte Sauer durch die Fachtagung Junge Erwachsene, welche die DAJU zum Thema «Von Grund auf neu? – Über (un)notwendige Ansätze für die Kirche der Gegenwart» organisiert hat. Tobias Sauer hat sich vertieft mit der Thematik auseinandergesetzt und ist ein Kenner: Er ist katholischer Theologe, Autor von «40 Dinge, die du ausprobieren musst bevor du aufhörst zu glauben», Gründer und Geschäftsführer von ruach.jetzt. 

Wie viel muss aufgegeben werden, um etwas Neues zu schaffen? Welche Ansätze kann ich in Frage stellen, welche übernehmen und weiterentwickeln? Die Fachtagung bot Gelegenheit, sich mit Ansätzen für eine digitalisierte Gesellschaft auseinanderzusetzen, welche die Arbeit und Kommunikation effizienter gestalten. Tobias Sauer formuliert es so: «Es geht darum, Gewohntes zu hinterfragen – mit einem klaren Ziel: Raum schaffen für Neues, das überzeugt.»

 

Auf der Suche nach dem Tragenden

Aber was heisst das nun konkret? Wie viel muss wirklich aufgegeben werden, um Neues zu schaffen? Tobias Sauer stellt die Gegenfrage: «Wie viel trägt? Wie viel macht Spass? Wie viel gibt Resonanz? Was gibt Hoffnung? Was beseelt? Wie viel wächst?» Alles, was nicht mehr trage, gehöre ständig in den Blick genommen und gegebenenfalls eben auch aufgegeben, so Sauer. «Das Zentrum ist unsere Botschaft, nicht all die Sachen, die mal geholfen haben, diese Botschaft zu verkünden.» Für Tobias Sauer ist deshalb klar: «Nicht die Botschaft Jesu selber ist es, die angepasst werden muss. Denn diese scheint aktueller denn je. Vielmehr geht es darum, darauf zu schauen, wie diese Botschaft heute Relevanz behält», so Sauer. «Wenn wir heute mit Menschen über Glaube reden wollen, dann müssen wir uns fragen: Was ist heute? Wie ticken Menschen? Und was ist eigentlich Glaube?», rät Sauer. Während des Referates warf er mehrmals den Satz in die Runde: «Sprachunfähigkeit der andern beginnt bei der eigenen Sprachunfähigkeit.» Tobias Sauer appeliert damit an die Verantwortung von kirchlichen Mitarbeitenden, sich über den Inhalt ihrer Botschaft klar zu werden und eigene Worte dafür zu finden. Denn letztlich käme es immer auf den Inhalt an, die Verpackung davon sei zweitrangig, auch im Zeitalter der Digitalisierung. Im ersten Teil der Veranstaltung thematisierte Tobias Sauer die Herausforderungen für die Glaubenskommunikation in einer digitalisierten Welt. Es ging unter anderem um die Frage der Relevanz, nämlich: «Welches Problem löst mein Angebot für die Menschen, für die ich arbeite oder für die ich arbeiten will?» Oder anders pointiert: «Welches Bedürfnis der Zielgruppe spreche ich an?» Die theoretische Auseinandersetzung konkretisierte sich im zweiten Teil der Tagung mit der praktischen Umsetzung für die eigene Arbeit, konkret für den Firmweg.

 

Aus Überzeugung, nicht aus Zwang

Sauer spricht von einer Angst der Kirche vor Veränderungen. «Aber wenn Kirche will, dass sie nach ihrem Inhalt und nicht in ihrer Form beurteilt wird, so muss sie in ihrem Handeln mehr Wert auf den Inhalt legen und auch die alten Formen verlassen. Dies jedoch nicht der Kritik, sondern des Auftrags wegen.» Wenn sich im Tun von kirchlichen Krankenhäusern, Kindergärten und Co. die christliche Botschaft nicht zeige und sie sich nicht positiv von vergleichbaren Einrichtungen absetze, müsse sich die Kirche nicht wundern, dass ihre Relevanz nicht wahrgenommen werde, so Sauer. Zum Schluss spricht er einen weiteren Punkt an: Das Selbstvertrauen. «Die Kirche hat das Vertrauen in ihre eigene Wirkmächtigkeit verloren. Daran müssen wir arbeiten.»

 

Kirche entwickelt sich durch Arbeit mit jungen Menschen

Das Tagungsthema sprach Teilnehmende aus dem ganzen Bistum an. Die meisten arbeiten vorwiegend mit jungen Menschen, es gibt aber auch andere, welche in ihrem kirchlichen Wirken vor allem mit Menschen in der zweiten Lebenshälfte zu tun haben. Trotzdem besuchten sie die Tagung mit grossem Interesse, denn – so war man sich einig –  Auseinandersetzung mit jungen Menschen eröffnet pastorale Perspektiven und ist Kirchenentwicklung.

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Bistum St.Gallen
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