Bischof, Domkapitel und weitere Konzelebranten zogen in den historischen, barocken Messgewändern zum Gottesdienst ein, Trachtenleute aus verschiedenen Regionen des Kantons und aus Appenzell Innerrhoden waren gekommen, auch das eine schöne Tradition. Die Kathedrale war bis fast zum letzten Platz gefüllt.
Prior P. Gregor Bratzerol stammt aus Kaltbrunn und kennt die Gallusgeschichte seit seiner Schulzeit. Als Bube war er beeindruckt von der kämpferischen Seite des irischen Wandermönches, der in Tuggen wutentbrannt Götzenbilder zerstörte. Heute sind dem Benediktiner andere Themen im Blick auf den heiligen Gallus wichtig. «Sein Leben hat zwei Pole, die Bewegung und die Ruhe», sagte der Gastprediger. «Für Gallus war das Pilgern verbunden mit einem Fremdsein in der Welt, sein Ziel war Gott zu finden, bei dem er zur Ruhe kommen wollte». Gallus betete vor über 1400 Jahren in der Steinachschlucht den Psalm 132. Als er stolperte und in die Dornen fiel, sprach ihn der Vers «Heac requies mea…» an – hier ist mein Ruheplatz. Er entschloss sich als Eremit zu bleiben. Die Geschichte ist bekannt, heute gilt Gallus als Patron von Bistum, Stadt und Kanton St.Gallen.
Pater Gregor führte in seiner Predigt weiter aus, dass das zur Ruhe kommen für heutige Menschen nicht als Wellness-Oase und auch nicht als Stillstand verstanden werden solle. «Denn auch bei Gallus ist aus der Ruhe Neues aufgebrochen, dass bis zum heutigen Tag wirksam ist», sagte der Fischinger Prior. Auch heute gehe es darum, als Christen Orte zu finden, wo man sich der Gegenwart Gottes versichern und daraus immer wieder neu das Leben wagen könne.
Der Festgottesdienst wurde von der Dommusik mit wunderbarer Musik mitgestaltet. Der Domchor, verstärkt durch Solistinnen und Solisten sowie das Sinfonie-Orchester St.Gallen, sang die «Theresienmesse» von Joseph Haydn. Weiter erklangen gregorianische Choräle, darunter die Gallus-Sequenz «Dilecte Deo» (von Notker Balbulus), in der Bistumskirche. Bischof Markus Büchel dankte zum Schluss allen herzlich, die mitgefeiert und mitgewirkt hatten, insbesondere den Gottesdienst-Besucherinnen und –Besuchern aus nah und fern. Für viele von ihnen ging der Festtag so wie jedes Jahr an der Olma fröhlich weiter.
