Das Evangelium in die neue Zeit tragen

02.04.2005

Bischof Ivo Fürer würdigt den verstorbenen Papst in persönlichen Worten und bittet die Gläubigen um das Gebet für Johannes Paul II. Morgen Sonntag, 8 Uhr, werden die Glocken der katholischen Kirchen in der Schweiz im Gedenken an den Heiligen Vater läuten.

Bischof Ivo Fürer schreibt: "Gott hat das irdische Leben von Johannes Paul II. beendet, um ihn der Vollendung entgegenzuführen. In den letzten Monaten und Jahren wurde der Papst für viele Menschen zum Zeugen dafür, dass menschliches Leben weit mehr ist als die Jahre der Jugend in bester Gesundheit und mit grösster Arbeitsleistung.

Kardinal Karol Wojtyla wurde im Oktober 1978 aus Polen auf den Stuhl Petri berufen. Er brachte die Erfahrungen eines Bürgers aus einem Land mit, das von Nationalsozialismus und Kommunismus unterdrückt wurde. Er war ein seinem Vaterland und seiner Kultur treuer, von christlichem Glauben, tiefer Marien-Verehrung und Liebe zur Kirche geprägter Mensch.

Papst Johannes Paul II. pflegte einen sehr persönlichen Stil der Begegnungen. Er nahm im Unterschied zu seinen Vorgängern an den Sitzungen der Bischofssynode persönlich teil und er lud gerne Bischöfe, weitere Mitarbeiter und Vertreter anderer Kirchen zum Essen ein. Als Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE hatte ich sehr oft die Gelegenheit, bei ihm zu Gast zu sein und mit ihm Gedanken auszutauschen.

Sein tiefstes Anliegen war es, das Evangelium in die neue Zeit hineinzutragen. Im Bewusstsein, dass Glaube vor allem durch tief überzeugte Menschen weitergetragen wird, bereiste er als Glaubenszeuge über 100 Länder. Die Welt erfuhr, dass Religion Menschen mobilisieren kann. Papst Johannes Paul II. trug wesentlich zum Entstehen der Massenbewegung bei, die zum Untergang des kommunistischen Machtblockes führte. Der Papst wurde immer mehr wichtigste religiöse Autorität und konnte auch mächtigsten Staatsmännern wie dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush ins Gewissen reden.

Von seiner Erfahrung geprägt war Johannes Paul II. überzeugt, dass die Einheit der Kirche wichtigste Voraussetzung für das Gelingen ihrer Sendung ist. Dies führte zu einer stark zentralistischen Leitung. Daraus entwickelten sich in unseren Regionen Spannungen und teilweise auch Ablehnung. Man fragte sich, ob im Dienst der Einheit eine derart grosse Einheitlichkeit in Lehre, Disziplin und Liturgie notwendig sei, oder ob die Einheit im Wesentlichen genüge.

Ich danke Gott für alles, was er durch Papst Johannes Paul II. in Kirche und Welt gewirkt hat. Ich empfehle den Verstorbenen der göttlichen Barmherzigkeit und bitte die Gläubigen, sich diesem Gebet anzuschliessen."

+ Ivo Fürer, Bischof von St. Gallen

Ausfürliche Würdigungen des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., sein Leben, sein Wirken, finden Sie unter anderem auf folgenden Internet-Seiten:

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