26. Diözesanforum

05.04.2017

DAJU (Fachstelle Jugendseelsorge Bistum St.Gallen): 26. Diözesanforum kirchliche Jugendarbeit

Bei Menschen älteren Semesters hat der Begriff „Mission“ einen schalen Beigeschmack. Heutige Jugendliche haben keine Erinnerungen mehr an weisshaarige Missionare, abgebildet mit spärlich bekleideten „Eingeborenen“. Mission bedeutet für sie eher etwas Positives, die Erfüllung der „Mission: Impossible“ beispielsweise nach dem gleichnamigen Film, in dem US-Agenten für das Gute kämpfen. Mission heute möchte die Begegnung auf Augenhöhe, diesen Anspruch hat auch die kirchliche Jugendarbeit. Wie kann das in am besten gelingen? Diese Frage stellten sich Jugendarbeiter(innen), Mitglieder von Pfarrei- oder Kirchenverwaltungsräten kürzlich am Diözesanforum 2017 im Pfarreiheim St.Maria-Neudorf St.Gallen.

Der Jesuit Toni Kurmann stellte sein Eingangsreferat unter die These: „Mission ist die Theorie und Praxis kirchlicher Fremdbegegnung“. Der Verantwortliche für das Freiwilligenprogramm Jesuit Volunteers, das soziale Einsätze bei den Jesuiten in aller Welt vermittelt, zeigte sein Missionsverständnis mit viel praktischer Erfahrung auf. Ein Blick in die Missionsgeschichte zeigte Beispiele von geglückten wie auch unglücklichen Begegnungen der Missionare in aller Welt mit Menschen anderer Kulturen, Religionen und Nationalitäten. Mission bedeutet Sendung (ins Ausland) mit einem besonderen Auftrag. „Aus christlicher Sicht sind wir immer eingeladen, über uns hinaus zu gehen“, betonte der Referent. „Auf Augenhöhe geschehen, im interreligiösen wie interkulturellen Dialog.“ Toni Kurmann veranschaulichte den Unterschied in zwei Bildern: Hier ein Missionar, der eine Gruppe von Pygmäen zu dominieren, zu beherrschen scheint. Dort ein Missionar, der sich in China auf eine echte Begegnung mit Menschen einlässt, ihre Sprache spricht, sich der Kultur entsprechend kleidet. Die Kirchengeschichte zeugt von vielen spannenden internationalen und interkulturellen Lernerfahrungen. „Die positive Erfahrung kann uns heute als Inspiration dienen für unsere gegenwärtigen Begegnungen, auch mit Flüchtlingen bei uns“, sagte Toni Kurmann. „Die negativen Erfahrungen lehren uns, wovor wie uns zu hüten haben“.

 

Ein Würfelspiel

Würfeln, Fragen beantworten, vor- oder zurücksetzen: spielend gestaltete die DAJU (Fachstelle Jugendseelsorge des Bistums St.Gallen) den nächsten Teil des Abends. Gesendet – wer, wohin, wozu? Wer auf ein Fragefeld kam, gab den Mitspielenden Einblick in die persönlichen Ansichten und in die eigene Arbeit mit Jugendlichen. Hier spielten kirchliche Jugendarbeiter mit Pfarreiräten, dort tauschte sich der Bischof mit Seelsorgenden aus zu Aussagen wie: „Folgende Haltung ist mir beim Thema ‘gesendet’ zentral ….“ Noch nie war an einem Diözesanforum ein Würfelspiel auf dem Programm, es war ein Gewinn für alle.

 

Ziel ist das Glück junger Menschen

Franz Kreissl, Leiter Pastoralamt Bistum St.Gallen, hielt einen engagierten Vortrag zum Thema Jugendarbeit unter dem Titel: Gesendet: Wer? Wohin? Wozu? „Das erste Ziel der Jugendarbeit ist nicht die Kirche, ist nicht das Wohlergehen oder die Fülle der Kirche“, betonte Franz Kreissl. „Das erste Ziel der Jugendarbeit sei das Glück der jungen Menschen, dass sie ihren Weg im Leben finden, dass sie mitbekommen, was ihnen hilft; und dass sie auf ihrem Lebensweg der Liebe Gottes begegnen und sie weitergeben können“. Die Kirche biete aber den Raum für die Fragen der jungen Menschen. Franz Kreissl ist überzeugt, dass viele junge Menschen gar nicht antikirchlich oder glaubensfeindlich sind, es gibt schlicht Wichtigeres in ihrem Leben als die Kirche. „Wir müssen verstehen, dass genau diese junge Menschen unsere Zeitgenossen sind“, so Franz Kreissl. „Sie brauchen keine Belehrung sondern Interesse an ihrem Leben und an ihren vielleicht ganz anders formulierten Geschichten von Gott“.

 

Wie eine Suppenküche

Die abschliessende Podiumsdiskussion stand unter demselben Titel. Michaela Bauer, Jugendarbeiterin Seelsorgeeinheit Obertoggenburg: «Ich sehe die grosse Mission innerhalb der Firmung ab 18, junge Erwachsene zu begleiten auf dem Weg vom Kinderglauben zu einem Erwachsenenglauben“. Raphael Troxler, Diakon, Seelsorgeeinheit Wil, sieht seine Sendung darin, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, wichtige Lebensfragen zu stellen. Zu Gast auf dem Podium war auch der Bundespräses der Jubla, Valentin Beck. Er verglich die Jugendarbeit mit einer Suppenküche: „Sie ist Dienst an der Jugend und Jugendliche nehmen schon wahr, wer die Suppe ausschöpft. Es braucht ein stetiges Angebot, auch an spirituellen Räumen, und Begleitpersonen.“ Regula Senn, Präsidentin des Frauenbundes St.Gallen-Appenzell und Mitglied im Kirchenverwaltungsrat Degersheim, plädierte für genügend Finanzen für die Jugendarbeit. Verena Kaiser, akj St.Gallen – sie vertrat die offene Jugendarbeit, möchte Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen, auch wenn dies teils viel Geduld braucht von Seiten der Jugendarbeitenden.

Dank des Bischofs

Mit dem Wort des Bischofs wurde das Diözesanforum abgeschlossen. Er dankte allen Mitarbeitenden, die sich einsetzen für die offene oder verbandliche Jugendarbeit in der Kirche. Ebenso den Pfarrei- und Kirchenverwaltungsräten, die inhaltliche wie strukturelle Voraussetzungen schaffen, dass kirchliche Jugendarbeit gelingen kann. (Sabine Rüthemann)

 
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